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Deiningen - das älteste Dorf im Ries

von Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler

Im archäologischen Ries-Führer ist Deiningen nur drei Mal erwähnt:

Zum ersten heißt es dort beim Stichwort Urnenfelderzeit (1200-750 v.Chr.): "Weithin fundleer bleibt mit der Ausnahme bei Deiningen das zentrale Ries, wo die schweren staunassen Tonböden nach wie vor gemieden werden."

Zum zweiten: Aus der Latenzzeit (450-15 c.Chr.) sind uns im Ries 10 Funde von eisernen Doppelspitzbarren bekannt, die u.a. auch bei Deiningen gefunden wurden.

Zum dritten aus dem frühen Mittelalter, wo Deiningen gar nur erwähnt wird, weil es dort im Gegensatz zum Riesrand k e i n e Burgställe gibt, obwohl sich hier die Wohnplätze seit der Reihengräberzeit (Friedhof auf dem Schlafbühel) gehalten haben und der Ort "Villa Thininga" bekannt ist. Ein befestigter Kirchenbezirk ist allerdings nachweisbar!

Deiningen ist ältestes, urkundlich erwähntes Dorf des Riesgaues. Eine vom fränkischen König Pippin unterzeichnete Urkunde aus dem Jahre 760 beglaubigt die Schenkung der Villa Thininga, gelegen im Riesgaue am Egerfluss, mit allen Zugehärungen an Ländereien, Leuten und Rechten an die vom Heiligen Bonifatius gegründete Kirche des heiligsten Erläsers in Fulda.

Schule 24Damals hatte das Dorf Deiningen schon einen beträchtlichen Umfang, wie man aus der in Latein abgefassten Urkunde ersieht: In Villa Tininga familiae sunt XXIII, etc. etc das heißt auf Deutsch: Die Schenkung bestand aus dem Königshof, aus 23 Leibeigenen-Familien auf 50 Herrenhufen, 400 Joch Ackerland und 400 Fuder Heuwert Wiesen, 52 Pferde, 54 Föllen, 80 ungezähmte Pferde, 58 Kühe mit 53 Kälbern, 200 Schafe, 90 Schweine; 28 halbfreie Familien mit ihren Hufen; 8 Mühlen und 3 Kirchen, wovon heute noch die Kirche von Zimmern und die Martinskirche stehen, die dritte (St. Ottilien) jedoch nicht mehr. Soviel zur ersten Erwähnung zur Mitte des 8. Jahrhunderts. 70 Jahre später wird die villa Thininga in einem Klosterverzeichnis von Fulda beschrieben mit 70 Familien und dem bereits bekannten Flurbestand, weiterhin 8 Mühlen und 3 Kirchen.

Das Rad der Geschichte dreht sich weiter. Wir wissen, dass die Franken nicht ewig herrschten, sondern dass in den folgenden Jahrhunderten Sachsen- und Salierkönige (919-1125) und die Hohenstaufen (ab 1138) das Land regierten. Auch jetzt wieder wurden neue Würdenträger eingesetzt, Verwandte und verdienstvolle Untertanen der neuen Herrschaft. So für den Eichstättischen Forstbann der Amtsgraf Ludwig, der sich nach dem neuen Wohnsitz Oettingen benennt. Das Ries verwalten diese Oettinger Grafen damals also noch nicht. Aber einzelne Dörfer fallen ihnen zu: u.a. Deiningen, das größte Rieser Dorf, und der Hohof, auch Löpsingen. Es ist der erste Ausgriff der Grafen nach Süden ins mittlere Ries. Doch als die Hohenstaufen mit dem jungen Konradin 1268 aussterben, gibt es, bis die Habsburger an die Macht kommen, das "Inter-Regnum" von zwar nur wenigen Jahren, doch dieses genügt, um die Oettinger mächtig werden zu lassen. Sie übernehmen die Ordnungsaufgaben der Staufer im Ries und still-schweigend auch Reichsgut und Reichskirchengut, so die Burgen Harburg, Wallerstein, Alerheim Flochberg, Katzenstein, Hochhaus, Spielberg und Hohentrüdingen.

Als 1410 zwei gräfliche Brüder ihre Grafschaft teilen, werden nicht nur das Land und die Hauptstadt geteilt, sondern auch Deiningen wie Oettingen "den Gassen nach". Das bedeutete, dass die Dorfstraße in Deiningen Landesgrenze wurde!

Bauernkrieg (1525) und Reformation (1539):

Unhaltbare Zustände zwischen Bauern und Herren führten zu großer Unzu-friedenheit unter dem Landvolk. In ganz Süddeutschland gärte es und überall kam es zu Übergriffen auf den Adel. Auch im Ries rotteten sich die Bauern zusammen. Aus 74 Dörfern des Rieses sammelten sich die Unzufriedenen in Deiningen, etwa 1500 Mann. Doch auf Zureden der Nördlinger, unter dem Eindruck der Niederlage des 9000-Mann-Heeres, das bei Leipheim geschlagen worden war und unter den Drohungen beider Oettinger Grafen mit Gefangennahme und Gütereinzug, löste sich der Deininger Haufen bald auf.

Die Bildung des Ellwanger (=Ipf) Haufens und dessen Zug gegen Dinkelsbühl und weiter ins Ries ermutigte die dortigen Bauern wieder. Sie schlossen sich an und bemächtigten sich zunächst des Klosters Maihingen, dann der Stadt Oettingen. Sie wüteten im Kloster Auhausen, um schließlich nach Heidenheim weiterzuziehen. Bei Ostheim allerdings stellte sie der Markgraf von Ansbach und fügte ihnen am 7. Mai 1525 eine vernichtende Niederlage bei.

Wenige Jahre später wurde im Oettingen-Oettingischen Landesteil (Wolfgang) die Reformation eingeführt, während die Wallersteiner (Martin) katholisch blieben. Nun hieß es auch für die Deininger: "Wie der Herr, so das G scher" (Cuius regio, eius religio). Alle Familien, die nördlich der Straße wohnten, waren mit einem mal evangelisch, samt der Ottilien-Kapelle; alles, was südlich der Straße wohnte um die Martinskirche herum, blieb katholisch. Weil der geplante Ausbau von St. Ottilia nicht zustande kam, wurde 1616 nach langwierigen Verhandlungen St. Martin zur Simultankirche erklärt. Diese Situation bestand bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses 1961.

Allerdings gingen die nächsten Jahrhunderte auch nicht spurlos am Dorf vorbei. So wurde am 7. Juni 1600 in Deiningen Jakob Walther geboren, ein Urahn des berühmten Joh. Wolfgang von Goethe. (Seine Enkelin Cornelia Walther heiratete Friedrich Georg Goethe in Frankfurt. Und dieser war der Großvater des weltbekannten Dichters.)

Im 30-jährigen Krieg gab es große Verluste und zwischen Deiningen, Schloss Alerheim und Alerheim fand 1645 die letzte große Schlacht statt.

Zwischen 1740 und 1745 wurde die Martinskirche barockisiert, ausgemalt und erweitert, sowie auf älteren Resten die Egerbrücke neu erbaut.Landw 1950 5

Nach dem Hungerjahr 1770 wollte die Wallersteiner Gräfin-Witwe Juliane Charlotte Vorsorge treffen und durch moderne landwirtschaftliche Arbeits-weisen einer weiteren Katastrophe vorbeugen. Sie berief Experten in ihr Land und ließ ab 1781 nach reiflicher Planung "in der Möder" einen Hof errichten. Um 1793 war er fertig, doch erfüllten sich die Erwartungen für ihren Nachfolger und inzwischen zum Fürsten ernannten Kraft Ernst nicht.

Im Jahre 1839 wurde der bis heute bekannte Gottfried Jakob in Deiningen geboren. Seine in Mundart abgefassten Gedichte erzählen "Allerloi aus m Ries" Oberlehrer Karl Stirner brachte sie 1960 als Sammelband neu heraus.

Am 5. Oktober 1903 wurde die Bahnstrecke Nördlingen - Wemding feierlich in Betrieb genommen. In dieser Zeit wurde in einem richtigen Bergwerk auch Braunkohle auf Deininger Flur abgebaut.

Wohnbaugebiete und Gewerbebetriebe schaffen Voraussetzungen für ein blühendes, aufstrebendes Gemeinwesen, das auch bei der Gebietsreform 1978 seine Selbständigkeit bewahren kann. Allerdings tritt Deiningen der VG Ries bei.

Die evang.-luth. Kirchengemeinde verwirklichte 1961 nach 345 Jahren den langgehegten Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus: Sie baute die Erlöser-Kirche. Die kath. Schwestergemeinde gab ein Kruzifix aus dem 18. Jhdt. als Einweihungsgeschenk mit.

1968 wurde ein Schulverband gegründet, der den Bau einer großen Volksschule in Deiningen beschloss, die nach zügigem Bau bereits 1969 teilbelegt und 1972 eingeweiht werden konnte. Als Junglehrer durften wir 1971 mit und bei Herrn Zitterbart einen Seminartag dort verbringen! In Verbund mit einer neuen Turnhalle und dreier engagierter Lehrkräfte namens Eichmeier, die sich auch bei der SpVgg große Verdienste erwarben, errangen die Schülerturner der VS Deiningen zwischen 1978 und 1982 fünfmal hintereinander beim Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" den Bundessieg.

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