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Deiningen - das älteste Dorf im Ries

 

Die Gemeinde Deiningen liegt inmitten der einzigartigen Kulturlandschaft „Nördlinger Ries“. Bereits seit der Steinzeit ist dieses Zeugnis eines Asteroiden-Einschlages als besonders fruchtbares Land durchgängig besiedelt und kultiviert worden.

Funde aus der Urnenfeld-, Hallstatt- und LaTène-Zeit, von den Kelten, den Römern und den Alamannen findet man über die ganze Riesebene und die Ränder verteilt.

Auf mindestens einer der Deininger Fluren befand sich ein Urnengrabfeld. Aus der Hallstatt-Zeit sind in der Nähe um den Ort herum in der Gemarkung etliche Gegenstände unter anderem ein Bronzemesser, eine Speerspitze, Schmuck und Scherben aufgefunden worden. Begründet soll das Dorf durch die Kelten in der LaTène-Zeit worden sein. Nachgewiesene Siedlungsspuren zeigen sich auch in den Resten von vier in unmittelbarer Nähe des Ortes in der Gemarkung befindlichen römischen Höfen, ebenfalls in römischen Münzen und weiteren Gegenständen.

Nach den Römern siedelten sich Alamannen im heutigen Ortsbereich an.

Auf der Deininger Flur „Schlafbühl“ entdeckte man ein alamannisches Reihengrab mit 21 Personen: Männer, Frauen und Kinder, sowie Glasperlen aus der Zeit. Deshalb kann man davon ausgehen, dass sich naheliegend auch diese Siedlung befunden hat.

Im frühen Mittelalter ist Deiningen eindeutig durch ein ganz besonderes Dokument als eigenständige Ortschaft bekundet. Eine vom fränkischen König Pippin II unterzeichnete Urkunde aus dem Jahre 760 beglaubigt die Schenkung der Villa Thininga, gelegen im Riesgaue am Egerfluss, mit allen Zugehörungen an Ländereien, Leuten und Rechten an die vom Heiligen Bonifatius gegründete Kirche des heiligsten Erlösers in Fulda. Deiningen ist damit das älteste, urkundlich erwähnte Dorf des Riesgaues. Die Urkunde ist zudem die älteste noch im Original erhaltene Urkunde eines fränkischen Königs, die in der Form bis heute noch Grundlage für derartige „notarielle“ Beurkundungen ist.

Damals hatte das Dorf Deiningen schon eine berträchtliche Größe wie man aus der in Latein abgefassten Urkunde ersieht: „In Villa Tininga familiae sunt XXIII, etc. (lateinische Beschreibung der Schenkung)...“, das heißt auf Deutsch: Die Schenkung bestand aus dem Königshof, aus 23 Leibeigenen-Familien auf 50 Herrenhufen. Des Weiteren sind erwähnt 400 Joch Ackerland und 400 Fuder Heuwert (Menge des Heuertrages) Wiesen, 52 Pferde, 54 Föllen (Fohlen), 80 ungezähmte Pferde, 58 Kühe mit 53 Kälbern, 200 Schafe, 90 Schweine; 28 halbfreie Familien mit ihren Hufen; 8 Mühlen und 3 Kirchen, wovon heute noch vermutlich die Kirche von Zimmern (Klosterzimmern im Norden von Deiningen) und ganz sicher die Kirche St.Martin bestehen, die dritte, eine Kirche St. Ottilien jedoch nicht mehr. Soviel zur ersten Erwähnung zur Mitte des 8. Jahrhunderts. 70 Jahre später wird die „Villa Thininga“ in einem Inventarverzeichnis des Klosters von Fulda beschrieben mit 70 Familien und dem bereits bekannten Flurbestand, weiterhin 8 Mühlen und 3 Kirchen. Bei Deiningen handelte es sich damals um eines der drei größten Königshöfe im fränkisch-schwäbischen Raum des Frankenreiches und hatte einen Landbesitz von ca. 304 ha bewirtschafteter Fläche.

Nach den Franken regierten in den folgenden Jahrhunderten Sachsen- und Salierkönige (919-1125) und die Hohenstaufen (ab 1138) über das Land. Auch jetzt wieder wurden neue Würdenträger eingesetzt, Verwandte und verdienstvolle Untertanen der neuen Herrschaft. So für den Eichstättischen Forstbann der Amtsgraf Ludwig, der sich nach dem neuen Wohnsitz Oettingen benannte. Das Ries verwalteten diese Oettinger Grafen damals also noch nicht. Aber einzelne Dörfer fielen ihnen zur Verwaltung zu: u.a. Deiningen, das größte Rieser Dorf, und der Hohof (heute zu Deiningen gehörend), auch Löpsingen. Es ist der erste Ausgriff der Grafen nach Süden ins mittlere Ries. Doch als die Hohenstaufen mit dem jungen Konradin 1268 ausstarben, gab es, bis die Habsburger an die Macht kamen, das "Inter-Regnum" von zwar nur wenigen Jahren, doch dieses genügte, um die Oettinger mächtig werden zu lassen. Sie übernahmen die Ordnungsaufgaben der Staufer im Ries und stillschweigend auch Reichsgut und Reichskirchengut, so die Burgen Harburg, Wallerstein, Alerheim, Flochberg, Katzenstein, Hochhaus, Spielberg und Hohentrüdingen.

Als 1410 zwei gräfliche Brüder ihre Grafschaft teilten, wurden nicht nur das Land und die Hauptstadt geteilt, sondern auch Deiningen wie Oettingen "den Gassen nach". Das bedeutete, dass ein großer Abschnitt der Dorfstraße - heute die „Hauptstraße“ - in Deiningen Landesgrenze wurde!

Bauernkrieg (1525) und Reformation (1539): Unhaltbare Zustände zwischen Bauern und Herren führten zu großer Unzufriedenheit unter dem Landvolk. In ganz Süddeutschland gärte es und überall kam es zu Übergriffen auf den Adel. Auch im Ries rotteten sich die Bauern zusammen. Aus 74 Dörfern des Rieses sammelten sich die Unzufriedenen in Deiningen, etwa 1500 Mann. Doch auf Zureden der Nördlinger, unter dem Eindruck der Niederlage des 9000-Mann-Heeres, das bei Leipheim geschlagen worden war und unter den Drohungen beider Oettinger Grafen mit Gefangennahme und Gütereinzug, löste sich der Deininger Haufen bald auf.

Die Bildung des Ellwanger („Ipf“-) Haufens und dessen Zug gegen Dinkelsbühl und weiter ins Ries ermutigte die dortigen Bauern wieder. Sie schlossen sich an und bemächtigten sich zunächst des Klosters Maihingen, dann der Stadt Oettingen. Sie wüteten im Kloster Auhausen, schließlich nach Heidenheim weiterzuziehen. Bei Ostheim allerdings stellte sie der Markgraf von Ansbach und fügte ihnen am 7. Mai 1525 eine vernichtende Niederlage bei. Empfindliche Strafen durch die Herrschenden für die Beteiligten, auch einen Deininger Bauern als einer der Anführer, zwangen manche Familie in Not.

Wenige Jahre später wurde im Oettingen-Oettingischen Landesteil (Graf Wolfgang)die Reformation eingeführt, während die Wallersteiner (Graf Martin) katholisch blieben. Nun hieß es auch für die Deininger: "Wie der Herr, so das G‘scher" (Cuius regio, eius religio – Wie der Herrschende, so sei die Religion). Alle Familien, die nördlich der Grenze durch den Ort wohnten, waren mit einem Mal evangelisch, samt der Ottilien-Kapelle; alles südlich der davon um die Martinskirche herum blieb katholisch. Weil der geplante Wiederaufbau von St. Ottilia nicht zustande kam, wurde 1616 nach langwierigen Verhandlungen St. Martin zur Simultankirche erklärt. Diese Situation bestand bis zum Bau eines eigenen Gotteshauses 1961.

Allerdings gingen die nächsten Jahrhunderte auch nicht spurlos am Dorf vorbei. So wurde am 7. Juni 1600 in Deiningen Jakob Walther geboren, ein Urahn des berühmten Johann Wolfgang von Goethe. (Jakobs Enkelin Cornelia Walther heiratete Friedrich Georg Goethe in Frankfurt. Dieser war der Großvater des weltbekannten Dichters)

Im 30-jährigen Krieg gab es große Verluste und zwischen Deiningen, Schloss Alerheim und Alerheim fand 1645 die letzte große Schlacht statt.
Zwischen 1740 und 1745 wurde die Martinskirchebarockisiert, ausgemalt und erweitert, sowie auf älteren Resten der 1305 zum ersten Mal erwähnten die Egerbrücke neu erbaut.

Nach dem Hungerjahr 1770 wollte die Wallersteiner Gräfin-Witwe Juliane Charlotte Vorsorge treffen und durch moderne landwirtschaftliche Arbeitsweisen einer weiteren Katastrophe vorbeugen. Sie berief Experten in ihr Land und ließ ab 1781 nach reiflicher Planung "in der Möder" einen Hof errichten. Um 1793 war er fertig, doch erfüllten sich die Erwartungen für ihren Nachfolger und inzwischen zum Fürsten ernannten Kraft Ernst nicht.

Im Jahre 1839 wurde der bis heute bekannte Gottfried Jakob in Deiningen geboren. Seine in Mundart abgefassten Gedichte erzählen "Allerloi aus m Ries". Oberlehrer Karl Stirner, zugleich Heimatforscher, brachte sie 1960 als Sammelband neu heraus. Die Gedichte gelten bis heute als eindrucksvolles Zeugnis der Sprache, aber auch der Lebensart im Ries.

Am 5. Oktober 1903 wurde die Bahnstrecke Nördlingen - Wemding feierlich in Betrieb genommen. In dieser Zeit wurde in einem Bergwerk auch Braunkohle auf Deininger Flur abgebaut. Das Bergwerk war aber nicht sehr erträglich, und musste später wieder aufgegeben werden.

Während des 2. Weltkrieges bauten die deutschen Truppen einen Militärflugplatz mit Fliegerschule am nördlichen Ortsrand auf. Zum Ende des Krieges wurde dieser verlassen und zahlreiche Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten des vormaligen Deutschen Reiches kamen vorrübergehend bis zu ihrer ständigen Ansiedlung in Westdeutschland dort in den verlassenen Gebäuden unter. Durch die Ansiedlung einer großen Anzahl der Vertriebenen erhöhte sich in Deiningen die Einwohnerzahl um mehr als ein Drittel, was auch eine Bereicherung - erst zögerlich dann aber erfolgreich - für die Bevölkerungsstruktur und die wirtschaftlichen Verhältnisse wurde.

Wohnbaugebiete und Gewerbebetriebe schafften seit dem zweiten Weltkrieg Voraussetzungen für ein blühendes, aufstrebendes Gemeinwesen, das auch bei der Gebietsreform 1978 seine Selbständigkeit bewahren konnte. Später trat Deiningen der Verwaltungsgemeinschaft „VG Ries“ bei.

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde verwirklichte 1961 nach 345 Jahren den langgehegten Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus: Sie baute die Erlöser-Kirche. Die katholische Gemeinde gab ein Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert als Einweihungsgeschenk mit.

1968 wurde ein Schulverband gegründet, der den Bau einer großen Volksschule in Deiningen beschloss, die nach zügigem Bau bereits 1969 teilbelegt und 1972 eingeweiht werden konnte. In Verbund mit einer neuen Turnhalle und dreier engagierter Lehrkräfte namens Eichmeier, die sich auch bei der SpVgg (Spielvereinigung) Deiningen große Verdienste erwarben, errangen die Schülerturner der Volksschule Deiningen zwischen 1978 und 1984 fünfmal hintereinander beim Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" den Bundessieg.

© 2016 Herbert Dettweiler, Kreisheimatpfleger und Archiv Gemeinde Deiningen

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